Was bleibt, Porträts im Hospiz

 
 

 
Seit Juli 2017 arbeitet Petrov Ahner am Langzeitprojekt “Was bleibt, Porträts im Hospiz“. Es ist eine Arbeit mit Menschen, die wissen, dass sie in naher Zukunft sterben werden. Was verändert sich, wenn man weiß, dass man demnächst, nicht irgendwann, nicht mehr da ist? Mit Unterstützung des Ricam Hospizes werden Patienten/innen des Hospizes in Berlin porträtiert und interviewt. Ahner ist es dabei wichtig zu zeigen, wie individuell und unterschiedlich die Versuche der Einzelnen sind, mit diesem Prozess zu leben und einen Alltag in dieser Situation zu gestalten. Dies illustrieren die von Ahner durchgeführten Portraits, Interviews und fotografischen Dokumentationen.
 
 
Since July 2017 Petrov Ahner has been working on the long-term project “What Remains, Portraits in the Hospice“. It is a work with people who know that they will die in the near future. What changes when you know that you won’t be there any more, anytime soon? With the support of Ricam Hospice, patients of the hospice in Berlin are portrayed and interviewed. It is important for Ahner to show how individual and different the attempts of the individuals are to live with this process and to create an everyday life in this situation. The portraits, interviews and photographic documentaries carried out by Ahner illustrate this.
 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Andrea Jeschkeit-Engelhardt

Andrea Jeschkeit-Engelhardt
 
fotografiert am 13.04.2018 03.06.2018
 
Dass ich nochmal die Zeit habe, also einige Sachen, die ich gerne machen möchte mit meinen Liebsten, die noch am Leben sind, das gibt es ja, da hat sich meine Mama darum gekümmert – „Wünsche wagen“. So eine Sache, die man gerne machen möchte, dass die sich erfüllen. Ich kann nicht mehr richtig sprechen. Manchmal, auch mitten im Satz, alles weg. Fällt mir eventuell nochmal ein oder gar nicht mehr. Und das ist eben meine Sorge, später, weiß nicht wann, gar nichts mehr mitzubekommen, das möchte ich eigentlich nicht erleben, aber das kann man sich nicht aussuchen.

 
 
 
 
 
 
 
 

Anni Gembus

Anni Gembus
 
fotografiert am 13.04.2018 13.07.2018
 
Ich hab jetzt hier so ein Aquarium, hab meine Fröschchen von zu Hause mitbringen lassen, um eben auch ein bisschen Gesellschaft zu haben. Meine Frösche, das ist mir sehr wichtig, die habe ich schon jahrelang und die möchte ich nicht missen. Ansonsten sitze ich auch viel bei schönem Wetter auf dem Balkon, träume vor mich hin, mache mir so meine Gedanken und denke auch viel jetzt über Sterben und über den Tod nach. Vor dem Tod selbst habe ich keine Angst, ich habe nur Angst davor, dass ich eventuell noch sehr viel Schmerzen haben werde.
 
 
 
 
 
 
 
 

Brigitte Germann

Brigitte Germann
 
fotografiert am 23.02.2018 17.03.2018
 
Heute Abend kriege ich Besuch, mein Freund kommt mit seiner Betreuerin, morgen kommen meine Geschwister. Ich habe jeden Tag Besuch, geht wie in einem Taubenschlag, ich habe den meisten Besuch von allen. Da kann es mir noch so dreckig gehen, da sage ich nicht ab.
 
 
 
 
 
 
 
 

Wolf-Dieter Geissler

Wolf-Dieter Geissler
 
fotografiert am 08.02.2018 27.06.2018
 
Mein Hauptleiden in diesem Hospiz, Leiden ist nicht das richtige Wort, die Veränderung zu meinem Leben vor dem Hospiz ist, dass ich hier eine unglaubliche Vergesslichkeit an den Tag lege. Das ist ein Schicksal, das Philosophen gar nicht mögen. Ich hab mich auch wirklich dagegen gestemmt. Jetzt leide ich wenigstens nicht darunter, dass ich vergesslich bin, sondern ich bin nur noch vergesslich.
 
 
 
 
 
 
 
 

Mandy Koch

Mandy Koch
 
fotogarfiert am 15.12.2017  20.12.2017
 
Ich habe auch das Glück, dass eine Freundin von mir hier arbeitet. Sie kommt dann mit ihrer Familie hierher und dann machen wir abends ein richtig tolles kleines Buffet hier für uns. Da gönnen wir uns richtig leckeren Käse, machen eben Bullettchen, auf was wir alles so Lust haben und dann werden wir hier eine richtig schöne, nette, kleine Weihnachtsfeier machen.
 
 
 
 
 
 
 
 

Frank Rauhut
   links: Frank Rauhut, rechts: Udo Rauhut

Udo Rauhut
 
fotogarfiert am 14.12.2017 17.01.2018
 
Als ich erfahren habe, dass ich krebskrank bin und nicht mehr lange zu leben habe, war das für mich eingentlich eine Erleichterung, eher was positives, in dem Sinn, jetzt weiss ich, wie es geht, ich habe noch ein bischen zu leben, viel nicht und da habe ich all das gelesen, was sich zu Hause bei mir angesammelt hat. Ich bin alleinstehend, hab keine Familie, keine Verwandten und habe alleinstehend immer das gemacht, was mich interessiert hat.
 
Frank Rauhut, Bruder von Udo Rauhut, fotografiert am 20.04.2018,
über seinen Bruder:
 
Mein Bruder ist da mit Unterhosen nachts in dem Labor rumgerannt
und hat seine Messwerte und seine Arbeit gemacht, weil er da nicht
gestört wurde und hat dann früh die Reinigungskräfte erschreckt.
Der ist da rumgetobt wie ein Verrückter um seine ganzen Messungen
zu machen, alles zu protokolieren, alles ganz exakt zu machen, das
war sein Ding… die Leute tagsüber haben Ihn nur gestört.

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Gustafo Jaramillo Guzmann

Gustafo Jaramillo Guzmann
 
fotografiert am 25.09.2017 15.11.2017
 
Im Frühstücksaal treffe ich ein paar von den anderen Patienten und wir unterhalten uns über verschiedene Sachen, andere Patienten sind in sich und wollen nicht so gesprächig sein. Dann komme ich nach dem Frühstück in mein Zimmer und kann vormittags alte Briefe lesen und ich habe so einen Schredder, dann vernichte ich sie.
 
 
 
 
 
 
 
 

Manuela Winkel

 
Manuela Winkel
 
fotografiert am 03.07.2017 03.08.2017
 
Am meisten beschäftige ich mich mit mir selber, ich bin mir wichtig im Moment. Das ich für mein Wohlbefinden Sachen wahrnehme, das ist mir ganz wichtig. Und dann immer abgrenzen: Nee, damit willst Du nichts zu tun haben, das belastet dich, das willst du nicht mehr.
 
 
 
 
 
 
 
 

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